Manchmal tut ein Fluch gut...
Zu den Flüchen
Der Mensch, sei er noch so positiv denkend, ist ein Kind der Dualität und hat, neben all den freundlichen Impulsen, auch die eine oder andere negative Ader. Und genau aus diesem Grund gibt es, wo gute Wünsche existieren, auch die Schattenseite. Die Flüche. Denn wer kennt sie nicht die Märchen und Mythen von guten Feen, die Wünsche erfüllen und ihren Gegenspielerinnen, den bösen Feen. Böse Feen, die aufgesucht werden, die Impulse von Hass, Neid, Intrigen, Eifersucht und Verzweiflung dem Menschen von der Seele zu nehmen. Da wir uns jedoch in einer aufgeklärten Zeit befinden, wissen die meisten von uns, dass Flüche zwar ausgesprochen werden, sie am Opfer jedoch nur andocken können, wenn das Opfer dazu bereit ist, an die Wirksamkeit von Flüchen zu glauben. Und sich, im Glaube an eine Besetzung durch einen Fluch, in die bekannte self fullfilling Prophecy, die sich selbst erfüllende Prophezeiung, begibt. Das jedoch wusste man nicht immer, und so zieht sich der Glaube an Flüche und Verwünschungen quer durch den Lauf der Zeit und durch die Kulturen.
Am bekanntesten, zur Ausführung von Flüchen und Schadenszaubern ist wohl die Voodoopuppe. Mit Nadeln gespickt, vom Magier und den Göttern beseelt, wird ihr, auch ausserhalb ihres angestammten Kulturkreises, grosse Wirkkraft zugesprochen.
Aber, Flüche sind nicht allein in uns fremden Kulturkreisen zu finden. Bei den Germanen z.B gab es eine Methode jemanden zu verfluchen, die Nidstang genannt wurde. Ein Nidstang, besser eine Nidstang (frei übersetzt *Neidstange*) bestand aus einer Stange (einem Pfahl) in die Flüche und Verwünschungen geritzt wurden. Am oberen Ende der Stange befestigte man dann einen Pferdeschädel der vom Magier mit Flüchen und Verwünschungen energetisiert war und mit einem Dämonen verbunden wurde. Aufgestellt wurde der Nidstang in einer Weise, dass der Schädel in Richtung des Verfluchten blickte. Auch Haus und Hof wurden mit einem Nidstang geschützt. Er wurde dann so ausgerichtet, dass jeder der unbefugt und/oder in böser Absicht Hof und Haus betrat, vom Fluch getroffen wurde. Finden kann man ein Symmbol des Nidstang noch heute im norddeutschen Raum. Oder was sonst könnten die Perdeköpfe über manchem Giebel eines Jahrhunderte alten Hofes zu bedeuten haben?
Die berüchtigsten Flüche aber waren die Flüche des Apollon. Fleissige Schüler erinnern sich vielleicht an die Dramen "König Ödipus" und "Antigone". Ödipus, dessen Eltern Laios und Iokaste das Orakel von Delphi ob ihrer Kinderlosigkeit befragten und zur Antwort bekamen, sie sollen froh sein, kein Kind zu haben, denn ihr Sohn würde den Vater töten und die Mutter heiraten. Laios und Iokaste setzten sich über diese Weissagung hinweg - Ödipus wurde geboren - mit der Folge, dass eine unglückliche Verkettung der Umstände als Familienfluch das Königreich Theben wieder und wieder erschütterte.
Ähnlich der Fluch der Kassandra traf, auch hier war Apollon am Werk. Als Apollon Kassandra umwarb, machte er ihr die Gabe der Weissagung zum Geschenk. Sie verschmähte ihn dennoch und gewährte ihm nur einen Kuss. Ungehalten abgewiesen zu werden, spie er ihr in den Mund, und verfluchte ihre Fähigkeit der Weissagung - er konnte diese Gabe nicht mehr zurücknehmen - in dem zukünftig niemand ihren Vorhersehungen glauben schenken sollte. So warnte Kassandra im trojanischen Krieg vergebens vor dem trojanischen Pferd, wurde vom siegreichen Griechen Aggamemnon als Sklavin nach Mykene mitgenommen und fand dort ihr Ende, durch den Dolch seiner Frau Klytämnestra.
Wenn wir heute also fluchen und verwünschen, so nicht aus dem Grunde tatsächlich jemandem zu schaden, diese Fähigkeit hatten nur Götter und mächtige Wesenheiten, denen das animistische Denken der Epochen diese Macht zusprach, sondern weil wir versuchen unserer Seele Ausgleich zu verschaffen. Nichts Böses tun, das wäre unbedacht, wird gesellschaftlich - glücklicherweise - nicht geduldet, und könnte schwerwiegende Folgen haben; Sondern wenn es nicht anders geht, weil die Emotionen zu hohe Wellen schlagen, einen Fluch abschicken, um sich ein wenig Erleichterung und Genugtuung zu verschaffen.
Aus diesem, und nur aus diesem Grund!, existiert in meiner Homepage das Fluchbuch. Die Dualität in sich selber wahrnehmen, auch die dunkle Seite reflektieren (Verleugnen bringt eh nichts, sondern im Gegenteil, das kann einem selber schaden) und gegebenenfalls Erleichterung erfahren, dabei aber niemals Grenzen überschreiten, die anderen tatsächlich Schaden zufügen könnten.
Also bitte im Buch der Flüche keine Namen nennen und nicht das Buch der Flüche als Plattform zum Stalking missbrauchen. Stattdessen sich einen Nicknamen geben, Dampf ablassen um danach wieder der friedliebende und liebenswerte Mensch zu sein, der du im Grunde deines Herzens bist .
So nun aber genug der Rede und weiter zum Buch der Flüche
Warnung für besonders sensible Naturen:
Im Fluchbuch wird geklotzt und nicht gekleckert und der friedliche Mensch, der wir ja im Grunde unseres Herzens alle sind, fällt für den Moment, in dem wir unseren Fluch schriftlich niederlegen, von uns ab.
Das Betreten des Fluchbuches und das Niederlegen eines Fluches erfolgt auf eigene Verantwortung. Für den Inhalt des Fluches ist der Fluchende selber verantwortlich.
Bei Risiken oder Nebenwirkungen frage Deine Kräuterfrau oder Deinen Schamanen.
Zur Herstellung eines Nidstangs (nur auf eigene Verantwortung):
Will man heute eine Nidstang präparieren, so muss man sich als erstes einen Pferdekopf basteln. Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Der Pferdekopf kann genäht und ausgestopft werden, wobei man nur darauf achten muss einen unverwüstlichen Stoff zu nehmen. Er kann aus Modellbauzubehör hergestellt werden, oder man kann ihn schnitzen (ähnlich wie einen Steckenpferdkopf). Das Praktische bei so einem selber hergestellten Pferdekopf ist, dass man ihn schon bei der Fertigung mit allerlei Energien präparieren kann. Ist der Pferdekopf fertig, ist die Stange an der Reihe. Eine Kletterbohnenstange, ein langer Zaunpfahl, Teile eines alten Fahnenmastes, aber auch ein Besenstiel können gute Dienste tun. Man schnitzt oder bemalt die Stange/den Pfahl mit den passenden Runen bzw. mit dem Fluch und unterzieht die fertige Nidstang zum Schluss einem starken Ritual, bei dem ein Wesen der Unterwelt als ausführendes Organ in den Pferdekopf gebeten wird. Wo es dann aus den Pferdeaugen blickt um mit seinen Blick den Gegner ständig mit dem Fluch zu überziehen. Über den Platz, von wo aus die Nidstang dem Gegner den Fluch entgegenschleudern soll, muss man sich natürlich rechtzeitig Gedanken machen. Denn wer will schon einen bereits geweihten und beseelten Nidstang bei sich herumstehen haben und nicht wissen wohin damit. Am besten stellt man eine Nidstang so auf, dass die Augen des Pferdes den Verfluchten immer gut erreichen.
Zu den Flüchen
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