Große Liebe
Liebe Griselda,
ich brauche einen Rat! Ich weiß nicht, ob ich einen Liebeszauber sprechen oder die ganze Sache auf sich beruhen lassen soll. Unbedingt möchte ich vermeiden, der geliebten Person meinen Willen aufzuzwängen.
Damit Du die Situation richtig beurteilen kannst muß ich etwas weiter aushohlen:
Vor knapp 7 Jahren ging ich zum studieren in eine andere Stadt. Ich lernte P. über einen Freund kennen, wir studierten das selbe und waren im gleichen Semester. Wir freundeten uns schnell an, unternahmen viel zusammen, oft mit anderen aber auch zu zweit. Er zog mich von Anfang an an und wir flirteten immer wenn wir uns trafen. Ich war zu dieser Zeit allerdings noch sehr tief in meine Gefühle zu einem anderen Mann verstrickt, so daß die Flirts mit P. nur an der Oberfläche blieben. Auch hatte ich den Eindruck, daß es für ihn auch nicht mehr als ein harmloser netter Flirt sei. Nach einigen Monaten lernte er dann eine andere Frau kennen, kam mit ihr zusammen und zog sich mehr und mehr zurück. Auch ich war durch die schwere Krankheit und den späteren Tod meines Vaters völlig mit mir selbst beschäftigt und versuchte auch nicht, wenigstens die Freundschaft aufrecht zu erhalten. Nach 1 1/2 Jahren mußte ich erkennen, daß ich durch den Tod meines Vater den Anforderungen meines Studiums nicht mehr gewachsen war. Also brach ich es ab und zog zurück in meine Heimatstadt. Daraufhin brach auch der Kontakt zu P. völlig ab.
Vor einigen Wochen dann, nach über 5 Jahren völliger Funkstille, kamen wir über das Internet wieder in Kontakt. Er stand kurz vor dem Abschluß seines Studiums und hatte grade eine schmerzhafte Trennung hinter sich. Auch bei mir stand grade eine berufliche Veränderung an und ich konnte meinem Erfahrungsschatz eine weitere unglückliche episode mit dem anderen Geschlecht hinzufügen.
P. und ich schrieben uns jede Menge Emails, zum Teil täglich oder sogar mehrmals täglich, und teilten unsere Sorgen und Ängste miteinander, aber auch unsere Wünsche in Bezug auf die Zukunft, besonders in Bezug auf Beziehung und Familie. Besonders in diesem Bereich sind wir uns sehr ähnlich. Ich bekam den eindruck, daß für ihn genau wie für mich das gemeinsame Leben mit dem einen Partner den man liebt, das Gründen einer Familie mit Kindern die wichtigste Aufgabe im Leben ist. Und genau wie ich glaubt auch er trotz vieler Enttäuschungen, daß es für jeden Menschen die eine Person gibt, den Seelenverwandten, den Menschen, der einen ganz macht.
Wir hatten beide den Wunsch uns zu treffen, was aber lange nicht klappte, da er mit Prüfungsvorbereitung und Examen vollauf beschäftigt und auch ich nicht viel Zeit hatte.
Vor einer Woche klappte es dann endlich, ich freute mich unglaublich, dachte aber garnicht daran, daß er sich für mich als Frau interessieren könnte.
Wir trafen uns in meiner Stadt, die erste Befangenheit dauerte nur einige Minuten an, dann stellte sich ein Gefühl von intensiver Vertrautheit ein, wir sprachen über Gott und die Welt, ernste Themen und Albernheiten, wir lachten zusammen und schwiegen zusammen. Wir verbrachten den Nachmittag zusammen und den Abend und irgendwann fingen wir heftig an zu flirten, schauten uns ewig lange in die Augen. Er erzählte mir, daß auch er bei unserer ersten Begegnung Interesse an mir gehabt hätte, aber nicht glaubte, daß er bei mir landen könnte und deshalb nie einen ernsthaften Versuch unternahm. Schon damals hätte er mich für umwerfend gutaussehend gehalten, aber schon damals sei das was ihn wirklich an mir begeistert und fasziniert habe mein Charakter, mein Intellekt und meine Sicht der Dinge gewesen.
Wir scharwenzelten noch eine Weile umeinander rum, jeder versuchte sicher zu gehen, daß er den anderen nicht doch falsch verstanden hatte Und dann endlich küßten wir uns. . .
Es war wie eine Offenbarung und fühlte sich so unglaublich richtig an. Wir konnten die Finger nicht voneinander lassen und verbrachten eine unglaublich intensive Nacht. Wir redeten und liebten uns, lagen uns in den Armen und schauten uns mit einem dämlich-glücklichen Lächeln in die Augen. Ich hatte ein so starkes Gefühl von "Hier gehöre ich hin" wie nie zuvor.
Wir sprachen auch über die Verwirrung, die diese heftigen Gefühle bei uns beiden auslöste. Er sagte mir "Ich hab dich lieb"
Wir schwebten beide wie auf Wolken als wir uns am nächsten Mittag trennten und er nach Hause fuhr. Am nächsten Tag rief ich ihn an, da er Geburtstag hatte. Er freute sich über meinen Anruf, sagte aber auch, daß er sich nicht getraut habe, mich anzurufen. Einmal, weil er immer noch kaum glauben könne, bei mir gelandet zu sein zum anderen habe er Angst vor der Heftigkeit seiner eigenen Gefühle. Wir sprachen auch darüber, daß er Deutschland bald verlassen würde, um seine Facharztausbildung wahrscheinlich in der Schweiz zu machen (diese dauert 6 Jahre). Wir sprachen aber auch darüber, daß wir uns gegenseitig so dermaßen den Kopf verdreht hatten.
Wir verabredeten uns 2 tage später zu treffen. Obwohl ich wußte, daß er sich viele Gedanken machte um die Durchführbarkeit einer Beziehung zu diesem Zeitpunkt, machte ich mir keine Sorgen, daß wir eine Lösung finden würden, da die Gefühle zueinander so überwältigend und vor allem nach kurzer Zeit so stark sind.
Als er dann zu mir kam hatte er seine Entscheidung aber schon getroffen. Er teilte mir mit, daß er Deutschland am nächsten Tag verlassen würde und mir und einer Beziehung zwischen uns erst gar keine Chance geben würde. Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Erst nach eineigem nachbohren kam raus, das es sich dabei um eine reine Kopfentscheidung handelt, daß alles was zwischen uns war und was er mir gesagt hatte echt und ehrlich war. Er sagte, er habe Angst, daß er wenn er den starken Gefühlen für mich nachgeben würde, all das was er sich für jetzt vorgenommen hääte nicht schaffen würde, weil er die Beziehung über alles stellen würde. Er sagte, er würde dann versuchen alles unter einen Hut zu bekommen und nichts richtig machen, er habe das schon öfter erlebt und immer sei die Beziehung daran zerbrochen und er sei auf die Nase gefallen. Für mich klang es so als versuche er scih selbst vor etwaigen Verletzungen zu schützen. Er sagte, es würde alles stimmen zwischen uns, bis auf den Zeitpunkt. Ich versuchte ihn zu überzeugen, daß dieses besondere Gefühl eine Chance verdient hätte, das auch ich Angst habe, weil so starke Gefühle einen imer verletzbar machen, das ich nicht von ihm verlangen würde hier zu bleiben, wenn er Deutschland verlassen will. Er blieb jedoch hartnäckig bei seiner Entscheidung und meine Argumentation fiel wahrscheinlich auch sehr dürftig aus, da sich in meinem Kopf rasend schnell eine unheimliche Leere ausbreitete, die keinen anderen Gedanken mehr zuließ außer "Das ist entsetzlich falsch!"
Trotzdem er sich nicht von mir überzeugen ließ, merkte ich schon währen des Gesprächs, daß seine entscheidung auf sehr wakeligen Beinen steht und als wir uns zum Abschied in den Arm nahmen, vergrub er sein Gesicht an meinem Hals und hielt mich fest. Dann riß er sich mit einem Seufzer und einem "Nein, ich kann nicht" förmlich von mir los und ging.
Das ist jetzt 5 Tage her, in denen ich das Gefühl habe das ein wichtiger Teil von mir fehlt, daß ich den einen Menschen für mich für immer verloren habe. Ich ertrage den Gedanken nicht, ihn nie wieder zu sehen, nie wieder mit ihm zu sprechen, meine Gedanken und Träume nicht mit ihm teilen zu können, nicht zu wissen was er denkt, träumt und fühlt.
Am Tag nach unserem Gespräch ist er nach Süden aufgebrochen, erstmal wohl nur um zu reisen, ich weiß nicht wohin und ich weiß nicht für wie lange.
Ich befürchte, er wird sich nicht wieder bei mir melden wenn er wirklich versuchen will mich zu vergessen.
Ich bin selbst nach wie vor völlig verwirrt über die Heftigkeit meiner eigenen Gefühle, aber ich weiß das sie echt sind. Und ich bin mir so sicher wie man sich halt sein kann, daß auch er sehr starke Gefühle für mich hat. Das ist auch der Grund, warum ich über einen Liebeszauber nachgedacht habe, weil ich glaube, daß die Gefühle da sind, er sie nur nicht zuläßt.
Bitte, bitte gib mir einen Rat. Ich bin so fest davon überzeugt, daß P. und ich glücklich miteinander werden können, wenn wir nur die Chance bekommen, es zu versuchen. Ich weiß inzwischen, ich würde mit freuden meine Sachen packen und in die Schweiz oder wohin auch immer ziehen, obwohl ich immer so viel Wert auf meine Eigenständigkeit gelegt habe.
Zum Schluß noch eine Information von der ich nicht weiß, ob sie wichtig für dich ist. Ich bin Steinbock und er ist Zwilling und 2 Jahre jünger als ich.
Ich hoffe sehr auf deine baldige Antwort
Gwynefer
Gwynefer - Monday, 16/06/2008 12:31:06
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