Traumzeit
Träume sind fast nie Schäume,
denn hinter jedem Traum steckt eine Mitteilung unseres Unterbewusstseins. Sogar wenn wir von wilden Monstren träumen, nach dem wir eine Nacht der Horrorfilme hinter uns haben, kann es sein, dass sich hinter dem Traum, der oberflächlich gesehen nur mit den Filmen zu tun hat, noch andere Mitteilungen verbergen. Denn unser Unterbewusstsein reagiert auf minimalste Anknüpfungspunkte um ins Bewusstsein zu drängen und ist sehr findig, wenn es darum geht, den Zensor zu überlisten.
Und wie deutet man nun seine Träume?
Vielleicht ist dir schon mal aufgefallen, dass in deinen Träumen häufig Details aus dem Vortag, also Personen, Situationen, u.s.w. auftauchen (wenn nicht, dann achte einfach mal drauf). Mit diesen Details vom Vortag, den Tagesresten, verhält es sich ähnlich wie bei oben genannten Monstren, aus einem Film der vorm Schlafengehen gesehen wurde. Unbewusste Inhalte die dich sehr beschäftigen verknüpfen sich mit Gegebenheiten aus deinem Tagesgeschehen, um über diese an sich "harmlosen" Tagesbilder aus dem Unterbewusstsein hinauf ins Bewusstsein zu schlüpfen. Deine Seelenarbeit schmiedet sich also mit jedem Traum selber die Schlüssel, mit denen der Zensor umgangen und das Tor zum Unterbewusstsein geöffnet werden kann.
Willst du nun einen Traum deuten, so ist es am klügsten den Weg des Traumes rückwärts zu verfolgen. Dazu schreibst du dir am besten deinen Traum auf und schaust, wo du einen Rest vom Vortage erkennen kannst. Dann bringst du dich in einen meditativen Zustand, und lässt alle Gedanken, die sich zu der Tagessituation entwickeln einfach laufen. Versenke dich in die Tagessituation wie in einen Tagtraum. Irgendwann wirst du aus diesem Tagtraum wieder auftauchen und spüren, dass du dich einer Sache genähert hast, die dich unbewusst sehr beschäftigt. Schreibe dir nun sofort auf, was du getagträumt hast. Nach einiger Zeit wirst du merken, dass du immer mehr deiner unterbewussten Inhalte deuten kannst, ganz ohne Traumbuch und fremde Erklärungen.
Nun das ist ja alles schön und gut werden einige von euch jetzt sagen...,
aber was bedeuten denn nun eigentlich Zensor, Bewusstsein, Unterbewusstsein...
Das was ich Zensor nenne, ist die Instanz Gewissen, die verhindern will dass Inhalte bewusst werden. Ohne den Zensor wäre ein Zusammenleben unter uns Menschen schwer möglich, da jeder Impuls ungefiltert ins Bewusstsein dringen und auf Erfüllung pochen würde. Dass das Hauen und Stechen geben würde, brauche ich wohl nicht weiter zu erläutern.
Der Zensor agiert des Nachts im Traum, in dem er deine Gedankeninhalte bis zur Unkenntlichkeit entstellt, ist aber auch im Wachzustand präsent. Dort macht er sich besonders gerne in Form des schlechten Gewissens bemerkbar, das in wörtlicher Rede in dir flüstert. Welche Inhalte dabei besonders streng abgehandelt werden ist gesellschaftlich und individuell verschieden und hängt mit den rechtlichen Normen einer Gesellschaft, mit der Sozialisation, der Religion und den allgemeinen moralischen Ansprüchen, die wiederum meist durch Bezugspersonen in der Kindheit vermittelt wurden, zusammen.
Generell ist der Zensor bei seiner Arbeit sehr strenge, oft sogar strenger als die Realität es verlangt. Und ihn ein wenig durchlässiger zu machen, kann sehr zur Lebensqualität beitragen und außerdem Zugänge schaffen zu den vielen weiteren Welten, die ebenfalls in unserem Unterbewusstsein vorhanden sind. Was für ernsthafte magische Arbeit unbedingt Voraussetzung ist!
Wird der Zensor allerdings mal gänzlich außer Kraft gesetzt (z.B. durch heftige emotionale Erlebnisse) kann das ganz verheerenden Folgen für dich und/oder deine Mitmenschen haben. Normalerweise unbewusste Inhalte von Hass und Selbstsucht, Gier und Rache können dann plötzlich geballt ins Bewusstsein schwallen, das Bewusstsein und damit den Realitätssinn überwältigen und zu völlig unkontrollierten Aktionen führen. Und was dabei herauskommen kann...siehe Tagespresse...
Denn im Gegensatz zu Zensor und Unterbewusstsein ist das Bewusstsein die geistige Instanz, welche Logik und Überlegung auf ihrer Seite hat, uns die Augen für die Realität öffnet und dafür verantwortlich ist uns sicher und unbeschadet durchs Leben zu führen. Wir handeln (zum Glück!), meist im Namen unseres Bewusstseins und damit des Verstandes und Entwickeln uns mit ein wenig Glück so, wie ein wohlsortiertes Bewusstsein es für richtig hält. Denn unser Bewusstsein hat nur eines im Sinn: Uns im Rahmen der Realitäten so zu leiten, dass es uns gut geht und wir unsere Kapazitäten nutzen können.
Ganz im Gegensatz zu unserem Unterbewusstsein. Dort sitzen nämlich all die Impulse die uns in der Realität schaden könnten, für die Gattung Mensch lange überholt sind (kollektives Unbewusstes) oder aber dadurch, dass sie dem religiösem Verständnis der Masse widersprechen, gesellschaftlich geächtetet werden (eventuell könnte man hier eine Erklärung dafür finden, wieso viele Menschen die Magie so überaus vehement ablehnen, ohne jedoch eine wirklich logische Erklärung für diese Ablehnung zu haben). Desweiteren finden sich im Unterbewusstsein Triebregungen, individuelle und kollektive Ängste (z.B Angst vor Dunkelheit), Gewaltimpulse (hau im eines mit der Keule). Also alle Regungen, von denen der Zensor meint, dass sie fürs heutige Leben keine Gültigkeit haben, oder es sogar beeinträchtigen würden. Das der Zensor dabei allerdings oft allzu strikt ist, mag daran liegen, dass er sich außer von den Realitäten auch von den Eindrücken leiten lässt, die wir als schwache Kinder gesammelt haben und die uns von Autoritäten jedweder Art vermittelt wurden. Ich denke da nur an die Moralvorstellungen uns Frauen betreffend und wie sie sich im Laufe der letzten Jahrzehnte immer wieder wandelten. Was den Zensor einer zwanzigjährigen heute kalt lässt, kann die Zensurinstanz einer 70jährigen noch gehörig in Aufruhr versetzen. Der Zensor orientiert sich also nicht nur an den tatsächlichen Begebenheiten, sondern ebenso an moralischen und religiösen Wertmaßstäben, an Vorurteilen und sogar an simpelstem Aberglauben.
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